
Kreative Supervision und die noch leere Leinwand
Kreative Supervision und analoge Methoden in der Supervision wahren den Fokus auf die Anliegen der Sitzung.
Ich mag es, auf vielfältige Weise kreativ zu supervidieren. Die Methode ist dabei nur das Gefährt, das uns zum Ziel führt. Methoden um der Methoden willen weichen vom Weg der Erkenntnis ab.
Natürlich kann man Fortbildungen über einzelne oder unterschiedliche Methoden machen. Doch das ist dann eine Methodenfortbildung und keine Supervision. Eine Fortbildung über Methoden können Sie mit mir gesondert vereinbaren.
Kreative Supervision: Wer braucht die Methode?
Die kreative Supervision darf sich in guter Supervisonstradition auch hinterfragen: Wer genau braucht in der Sitzung jetzt die Methode:
Der Supervisor oder die Supervisanden? Dient die kreative Supervision mit bestimmten Methoden im Vordergrund der Angstbewältigung im Inneren in einer sonst offeneren Situation? Ist es der Anspruch vom oder an den Supervisor, dass er der Entertainer ist? Einer der etwas alltagsabweichend Spannendes, ein Event gestaltet? Bietet die Methode den erzählbaren Mehrwert der Sitzung?
„Was war in der letzten Sitzung?“
Unstreitig ist die Methode erfahrungsgemäß ein Einnerungsanker in der Folgesitzung, die mehrere Wochen später stattfindet: „Was war in der letzten Sitzung?“ – „Ach, da haben wir doch das und das an Methode gemacht.“. Und auch eins ist wahr: Ich mag es, wenn Supervision lebendig, humorvoll, mit Freude und Blick auf das Wesentliche stattfinden kann. Auch mag ich es, wenn Supervisionen für alle Beteiligten selbstbestimmt, selbstwirksam, sinnvoll und Selbstwert festigend sind. Erkenntnis, Wieder-Erkennen, Neu-Entdecken sichern nicht nur den Fortbestand der Menschheit, sondern auch den der Supervision.
Der Markenkern der Supervision ist die mitgeteilte Reflexion
Ich könnte ja mal fragen, ob vom Baum der Erkenntnis essen, ein Segen oder ein Fluch ist. Adam und Eva in der Bibel haben daselbst ihre eigene Antwort. Persönlich glaube ich, dass der Baum der Erkenntnis im Segen wurzelt und wir mit den Früchten gut und genussvoll umgehen können. Der „Baum der Erkenntnis“ ist eine kreative Methode in der Supervision, über die ich aber heute nicht schreiben möchte. Auch über mein Arbeiten mit Schleich-Tieren möchte ich nicht schreiben, weil ich aus urheberrechtlichen Gründen kein eigenes Foto selbstbestimmt veröffentlichen dürfte. Wäre ja auch Schleichwerbung. Also lasse ich es getrost.
Kreative Supervision: Analoge und digitale Methoden
Ich lasse Sie in diesem Beitrag auf zwei von meinen ca. 81 analogen Methoden schauen, die ich in Supervisionen in petto habe. Beide nachfolgend dargestellten Methoden bedürfen der Vorplanung, die erste mehr als die zweite. Es sind also außergewöhnliche Methoden, anders als bei einigen anderen meiner Methoden hat man diese nicht mal eben im Handgepäck der Sitzung. Die digitalen Methoden sind noch mal ein eigenes Kapitel in meinen Online-Sitzungen. Am liebsten arbeite ich sowieso in der Supervision in Präsenz. Ein kleiner Blick durch die geöffnete Tür meiner Supervisions-Werkstatt.
Supervisions-Werkstatt
Und dennoch ist es ein Blick von außen. Natürlich ruft es Assoziationen beim jetzigen Lesen wach, läßt gedanklich Schweifen, vielleicht Schmunzeln. Im Zweifelsfall ist es lediglich eine Selbstresonanz des lesenden Menschen. Das hat auch schon einen Wert an sich und ist Ihnen meinerseits sehr gegönnt. Möglicherweise ist es ein nur indirektes und zeitverzögertes gemeinsames Erleben von Ihnen und mir. Also eine geteilte Erfahrung, ohne uns wirklich in Direktheit zu begegnen.
Die Dynamik der Sitzung
In der Dynamik einer Sitzung ist es die Begegnung mithilfe eines gemeinsamen Auftrags, die sich durch die Methode bewegt. Der Markenkern der Supervision ist die Reflexion. Es geht mir also um das gemeinsame laute Nachdenken. Ein Raum, in dem ins Unreine gesprochen werden darf. Auch das ist schon ein Merkmal kreativer Supervision. „Denn anders wäre schlecht!“ Weit-Stellen und Scharf-Stellen. Um-Wege zu Hin-Wegen zu gestalten. Ein Raum, der Gelungenes und Unzulänglichkeit erträgt. Dies Gestalten, das im Rahmen seine Form und Plastizität sucht. Das Hinhören auf Haupt-, Ober- und Zwischentöne. Der Raum, der auch geeignete Langsamkeit und zwischenzeitliche Klangpausen erträgt und verzeihen kann. Ein Mitschwingen der inneren Melodien. Beim Komponieren eines Musikstückes lernt man die Wichtigkeit von Pausen und die Aufmerksamkeit, Wechsel und Unterschiede zu gestalten und wahrzunehmen.
Kreative Supervision: Methode des Malens mit Öl
Diese Methode kommt bei mir zum Einsatz, wenn ich mit bevorzugt einzelnen Führungskräften einen Tag lang arbeite und die Beteiligten sich im Vorfeld schon dazu entscheiden. Sie ist mittlerweile bei mir erprobt. In der Produktion könnte man von Marktreife sprechen. Und das war bei mir ein jahrelanger Weg des Ausprobierens, wie ich Ihnen gestehen kann. Sonst würde ich mich diese Methode nicht trauen. Supervisanden hingegen brauchen keine Vorerfahrung im Malen. Es eignet sich eher für humorvolle Menschen, die Spaß am Ausprobieren haben.
Sinnliche Erfahrung in der kreativen Supervision
Was mich beim Malen mit Öl anspricht, ist das sinnliche Erleben von Farben und Formen, das Streifen und Treffen. Aber erst einmal zur Vorbereitung. Wenn Sie wollen, stelle ich je nach Absprache das Material zur Verfügung. Brauchen wir eine Vorzeichnung? Wie wirkt das leere Bild, da die Leinwand noch keinen Tropfen Öl oder einen Kohle-Strich abbekommen hat?
Wissen Sie was: Die Seele malt mit. Da kann die Vorzeichnung manchmal nicht gegen an. Wie oft schon ist ewas sehr Unterscheidendes dabei herausgekommen. Ich kann es Ihnen hier nicht zeigen, weil die Akteure ihre Bilder mitnehmen und eine Veröffentlichung sich wegen des Vertrauensschutzes verbietet. Wie tröstlich ist es doch zu wissen: Öl läßt es zu, ein Bild auch im Nachhinein zu verändern.
Thema und Mut zum Machen
Meine persönliche Vorliebe sind abstrakte Portraits und komplexe Figurengruppierungen. In der Bildanlage, im Ausformen, bei den typischen Klippen des Malens haben wir das grundlegende Anliegen der Supervisionssitzung auf dem Schirm und lassen es durch das Bild sprechen.
Die meisten Bilder der Supervisanden sind abstrakte Motive, ein eher intuitives Malen, deren Einzelelemente in der Dynamik der reflektierten Situationen ihren Platz halten und sich flugs kreativ verändern. Was haben wir zusammen schon geschmunzelt, wenn wir den Prozess des Malens rückblickend erzählten.
Immer mal wieder mit Abstand draufgucken, ist ein guter Rat während des Malens. Deshalb unterbrechen wir das Malen für Pausen. Es gibt auch Supervisanden, die sich kurz entspannen. Wie gut dass es bei guter Planung auch die Klangmassage nebenan geben kann.
Kreative Supervision mit Klang

Handpan im Praxisraum
Nun die zweite versprochene Methode: das Arbeiten mit Klang. Musikalität oder technische Vorkenntnisse braucht es nicht. Diese Methode bietet sich für Einzelne genauso an wie für Teams.
Wir arbeiten in der Supervision traditionell viel mit Sprache. Das ist gut so und sorgt ja auch für Klarheit. Die kreative Supervision mit Klang verzichtet häufig auf sprachliche Akzentsetzungen. Durch den Verzicht braucht es eine Kompensation. Wenn also unser primärer Kanal des Sprechens wegfällt, werden wir anders in unserer Kreativität des Ausdrucks herausgefordert. Ungewohnt.
Einfach tun – kreativ wie das kreatürliche Kind in uns
Manchen fällt es leicht, sich einfach an den – ich nenne es mal so: – Instrumenten auszuprobieren. Wobei Instrumente nicht nur Musikinstrumente sind. Es sind übergreifend definiert Klangkörper. Die Zahl der Klangkörper ist mehr als auf den ersten Blick wahrnehmbar ist. Ein Highlight möchte ich erwähnen. Meine Erfahrung ist, dass es sich für kleine Teams anbietet, mit der pentatonischen Handpan zu arbeiten. Das Schöne ist, dass alle Töne zueinander passen und die Gefahr, sich wegen Mißtönen schämen zu wollen, begrenzt ist. Klang kann Teams verbinden. Und ehrlich gesagt: es macht einfach Spaß, wenn wir mit Anleitung den Schlag draufhaben. Es eignet sich für freies Assoziieren und auch für dialogische Aufgabenstellungen.
Theorie trifft Praxis
Haben Sie schon einmal eine Schichtübergabe zwischen Tag- und Nachtschicht klanglich aufgeführt? Oder den gut bekannten stressigen Krisenmodus? Eigentlich bühnenreif und doch nur der flüchtige Augenblick. Aber der mit Nachhall. Dies und die sprachgebundene Reflexion ist dann noch lange im Ohr. Ein Klang sagt manchmal mehr als tausend Worte. Halt so wie ein Bild.
Ich nutze die Handpan auch im Zusammenhang mit Übungen im Rahmen des Stressmanagements. Einfach mal abschalten von einer Dauerberieselung.
Literatur u.a.:

Anna Malunat: Sich in Erfahrung begeben. Was hat künstlerisches Denken und Handeln mit Supervision zu tun? „Wie wird aus Nichts ein Werk? Anna Malunat über Kunst und Supervision“
in Journal Supervision 1/2022 https://www.dgsv.de/medien/publikationen/
Wolfgang Strobel, Gertrud Loos und Tonius Timmermann: Die musiktherapeutische Balint-Gruppenarbeit. Eine erlebnisorientierte Methode der Fallsupervision.
In: Wolfgang Strobel: Reader Musiktherapie. Klanggeleitete Trance, musiktherapeutische Fallsupervision und andere Beiträge. Reichert Verlag. Wiesbaden 1999
https://d-nb.info/958046980/04
