Meschede/ HSK: Fehlerkultur ist in unterschiedlichen Varianten immer wieder Thema in Supervision und Coaching. Fehler im Arbeitsleben kosten häufig: z.B. Geld, Energie, Vertrauen und manchmal auch das Leben.
Perfektionismus steht einer gesunden Gelassenheit im Wege und kann zum privaten und beruflichen Kollaps führen. Andauernde Sorge, Besserwissen, Soziale Hemmung, Rechthaberei, Selbstzweifel, emotionale Unterkühlung, Kontrollzwang, Starrsinnigkeit, Arbeitswut sind keine erstrebenswerte Attribute als Folge von Perfektionismus.Ein Plädoyer gegen den Perfektionismus.
Fehlerkultur – Unsinn oder Scharfsinn?
Erlauben Sie mir, die fiktionale Figur des Michel aus Lönneberga sprechen zu lassen:
„Weißt du, was ich morgen machen werde“, fragte er (Michel, J.S.)
„Ne“, sagte Alfred. „Irgendeinen Unfug?“
Michel steckte die Flöte wieder in den Mund und fing an zu spielen. Da ging er und blies eine Weile und dachte scharf nach.
„Ich weiß nicht“, sagte er schließlich. „Ich weiß das nie vor nachher.“
„Aus Erfahrung wird man klug!“
Wir kennen alle die Alltagsweisheit, die manchmal mehr einen Wunsch ausdrückt, als dass sie tatsächlich zutrifft. Fehler haben das Potential, aus ihnen lernen zu können. Dafür bedarf es eines offenen Umgangs mit Fehlern. Die Wirkkette Fehler-Furcht vor Sanktionierung-Vertuschung-Leugnung-Schuld lässt sich durchbrechen. Dazu bedarf es elementarer Kompetenzen in Wissen, Können und Haltung. „80 Prozent reicht, weil die restlichen 20 Prozent 80 Prozent Unglück bedeuten!“. Diese „Pareto-Formel“ ist für so manchen Mitarbeiter ein entlastender Motivationsschub, es so gut zu machen, wie es geht. Und über die 20 Prozent werden Menschen dann ebenfalls sprachfähig, ist meine Erfahrung.
Sich selber zu mögen, ist eine Voraussetzung dafür, es auch in herausfordernden Situationen zu tun. Viele Menschen mit zwanghaften Persönlichkeitstendenzen haben die Erfahrung gemacht, es relevanten Bezugspersonen (von Eltern angefangen) niemals gut genug tun zu können. Und so bilden sie einen Kern im Zwanghaften aus, der heißt: Du musst die Kontrolle bewahren! Übersteigert wird es zum Mythos. Zwanghafte Menschen können für Gründlichkeit, Verantwortung, Fleiß und Sorgfalt hohe Anerkennung kriegen. Sie funktionieren aber häufig nur unter einem enormen inneren Druck, ihr eigenes Regelwerk zu erfüllen und sich nicht zu blamieren. Entsprechend rigide kann der Umgang mit anderen sein. In Machtpositionen können zwanghafte Menschen in Unternehmen großen Schaden anrichten.
Auch eine Fehlerkultur in Unternehmen lässt sich zwanghaft perfekt durchdeklinieren und tragischerweise in ihr Gegenteil verkehren. Supervision und Coaching hilft Menschen anhand von Alltagssituationen im Beruf, andere Wege für einen besseren Umgang zu finden. Die Erfahrungen von erlebter Fehlerkultur (über Fehler sprechen zu können und diese konstruktiv umzuwandeln) in den Sitzungen ermutigt, ebenso im privaten und beruflichen Bereich mit Ungewissheiten umzugehen, für Fehler gerade zu stehen und zukünftig zu vermeiden.
Exemplarisch für Stiftungen empfiehlt die unten zitierte Studie auf S. 47 f. sechs Aspekte zur Fehlerkultur:
- Fehlermanagement als Führungsaufgabe verstehen und Mitarbeiter befähigen
- Über Fehler sprechen und Fehlerstrategien gemeinsam reflektieren
- Massnahmenrepertoire erweitern und unabhängiges Know-how einbinden
- Die eigene Wirksamkeit hinterfragen
- Grundsätze zur Fehlervermeidung zu nutzen
- Plattformen für offenen Austausch mit anderen zu nutzen.
Wenn ich von Fehlerkultur spreche, denke ich nicht an einen Freifahrtschein für inkonsequentes Führungsverhalten. Aber eins ist gewiss: Auch Führungskräfte machen Fehler. Das kann ich aus eigener Führungserfahrung bestätigen.
Wenn ich für Ihre positive Fehlerkultur oder in Ihrem Unternehmen etwas tun kann, dann lassen Sie es mich wissen.
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