{"id":40,"date":"2016-10-30T13:39:24","date_gmt":"2016-10-30T12:39:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.johannes-stienen.de\/web\/?p=40"},"modified":"2021-12-12T16:41:42","modified_gmt":"2021-12-12T15:41:42","slug":"trauma-und-supervision","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.johannes-stienen.de\/web\/40\/trauma-und-supervision\/","title":{"rendered":"Trauma und Supervision"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-2102 size-medium\" title=\"Foto: Rettungsring\" src=\"http:\/\/www.johannes-stienen.de\/inhalte\/uploads\/2015\/06\/lifebelt-125497_640-300x199.jpg\" alt=\"Trauma, Supervision Lippstadt, Supervision Erwitte, Supervision Soest, Supervision Werl, Supervision M\u00f6hnesee, Supervision Wickede, Supervision Ense, Supervision Anr\u00f6chte, Supervision Bad Sassendorf, Supervision Warstein, Supervision Geseke, Supervision R\u00fcthen, Supervision Welver,  Supervision Arnsberg, Supervision Bestwig, Supervision Brilon, Supervision Eslohe, Supervision Hallenberg, Supervision Marsberg, Supervision Medebach, Supervision Meschede, Supervision Olsberg, Supervision Bad Fredeburg, Supervision Schmallenberg, Supervision Sundern, Supervision Winterberg, Supervision M\u00e4rkischer Kreis, Supervision Kreis Olpe, Supervision Kreis Siegen-Wittgenstein, Supervision Kreis Soest, Supervision Kreis Unna, Supervision Kreis G\u00fctersloh,, Supervision Kreis Herford, Supervision Kreis H\u00f6xter, Supervision Kreis Minden-L\u00fcbbecke, Supervision Kreis Paderborn, Supervision Kreis Lippe, Supervision Kreis Borken, Supervision Kreis Coesfeld, Supervision Kreis Recklinghausen, Supervision Kreis Steinfurt, Supervision Kreis Warendorf, Supervision Schwelm, Supervision Meschede, Supervision L\u00fcdenscheid, Supervision Meschede, Supervision Olpe, Supervision Siegen, Supervision Soest, Supervision Unna, Supervision Bochum, Supervision Dortmund , Supervision Hagen, Supervision Hamm, Supervision Herne , Supervision G\u00fctersloh , Supervision Herford , Supervision H\u00f6xter , Supervision Minden, Supervision Paderborn, Supervision Bielefeld, Supervision Borken, Supervision Coesfeld , Supervision Recklinghausen, Supervision Steinfurt , Supervision Warendorf, Supervision Bottrop , Supervision Gelsenkirchen, Supervision M\u00fcnster, Supervision Ennepe-Ruhr-Kreis, Supervision Hochsauerlandkreis, Supervision Westfalen, Supervision S\u00fcdwestfalen, Supervision Nordrhein-Westfalen, Supervision Sauerland, Supervision HSK\" width=\"300\" height=\"199\" \/>Trauma und Supervision: es erfordert eine sensible Handhabung. Ein erlittenes Trauma begegnet gleichfalls Supervisoren in der Supervision.<br \/>\nTeilnehmende der Supervision arbeiten auch mit Menschen, die traumatisiert sind. Manche sind z.B. als Helfer selbst (sekund\u00e4r) traumatisiert.<\/p>\n<p>Supervision gilt auch als eine wirksame Form der Psycho-Hygiene, besonders etabliert in &#8222;Helferberufen&#8220;, und st\u00e4rkt die seelische Widerstandskraft (Resilienz). Ein Rettungsring vor dem Ertrinken? Eine kl\u00e4rende Sicht auf das System..<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-2105 size-medium\" title=\"Foto: Autobahn bei Nacht mit verflie\u00dfenden R\u00fccklichtern und Scheinwerfern\" src=\"http:\/\/www.johannes-stienen.de\/inhalte\/uploads\/2015\/06\/traffic-332857_640-300x199.jpg\" alt=\"Trauma\" width=\"300\" height=\"199\" \/>Autobahnen sind breit ausgebaute Verkehrswege, weil dort Verkehr erwartet wird. So \u00e4hnlich verschaltet sich auch unser Gehirn. Wenn immer nur &#8222;Gas geben&#8220; und &#8222;Alarm&#8220; (ad arma &#8211; lat. zu den Waffen) erwartet wird, werden diese Verkehrswege breit und breiter ausgebaut. Auch auf Kosten eines sonstigen Landschaftsbildes. Unser Organismus setzt also ebenfalls Priorit\u00e4ten und versucht, sich auf einen zu erwartenden Stress einzustellen. Das sichert in der Regel das \u00dcberleben. Aber manchmal f\u00fchrt es zu seltsamen Ph\u00e4nomenen: Jemand reagiert von 0 auf 100 mit einem auffallenden Erregungsmoment oder v\u00f6llig abwesend, als sei er gerade in einem v\u00f6llig anderen Film. Was hat ihn &#8222;angetriggert&#8220;? Was ist geschehen? Manchmal kann auch eine Trauma-Thematik wirksam sein.<\/p>\n<h2>Trauma<\/h2>\n<p>In der ICD-10, dem Diagnosemanual f\u00fcr dei Psychotherapie in Deutschland, wird Trauma verstanden als&#8220; belastendes Ereignis oder eine Situation au\u00dfrgew\u00f6hnlicher Bedrohung oder katastrophalen Ausma\u00dfes (kurz oder lang anhaltend), die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen w\u00fcrde.&#8220;<\/p>\n<p>Etwas subjektiver bezogen auf die individuellen Ressourcen verstehen die Psychoanalytiker Fischer und Riedesser das Trauma, n\u00e4mlich als &#8222;ein vitales Diskrepanzerleben zwischen bedrohlichen Situationsfaktoren und den individuellen Bew\u00e4ltigungsm\u00f6glichkeiten, das mit Gef\u00fchlen von Hilflosigkeit und schutzloser Preisgabe einhergeht und so eine dauerhafte Ersch\u00fctterung von Selbst- und Weltverst\u00e4ndnis bewirkt&#8220;.<\/p>\n<h2>Sekund\u00e4re Traumatisierung<\/h2>\n<p>Mein gesch\u00e4tzter Methodenlehrer im Studium der Sozialarbeit lehrte damals: &#8222;Manche Klienten sind seelisch infekti\u00f6s!&#8220; Damit wollte er auf die Gefahren aufmerksam machen, wenn Helfer sich empathisch auf die Situation von anderen einlassen. Die Kunst von N\u00e4he und Distanz. Er versah es immer mit dem Hinweis, dass Helfer gut f\u00fcr sich sorgen m\u00fcssen. Beispiele: von der Arbeit abschalten k\u00f6nnen, Abschiedsrituale, Sport und Bewegung, sinnliche und spirituelle Erfahrungen, Humor, Hobbies, politisches Engagement, Partnerschaft, Freundschaften und Kontakte, Fortbildung, Supervision &#8230;<\/p>\n<p>Als ich vorgestern zur Fortbildung \u00fcber sekund\u00e4re Traumatisierung beim DBSH in Paderborn war, erinnerte ich mich ebenfalls an den Themenschwerpunkt Trauma in der Zeitschrift &#8222;Supervision&#8220; (30.Jahrgang, Ausgabe 2 des Jahres 2012).<\/p>\n<p>Die Amerikanerin Judith Herman pr\u00e4gte den Satz: &#8222;Trauma ist ansteckend!&#8220; Dahinter steht die Erkenntnis, dass diese Ansteckungsgefahr &#8211; wir nennen sie sekund\u00e4re Traumatisierung &#8211; zum Berufsrisiko wird. So wie Zeugen von traumatischen Erlebnissen sekund\u00e4r traumatisiert werden k\u00f6nnen, so sehr betrifft es auch die, die das Erlebnis nicht selbst erlebt, sondern &#8222;nur zugeh\u00f6rt&#8220; haben. Unser Gehirn aktiviert vom Grundsatz her beim Zuh\u00f6ren die gleichen Areale wie beim eigenen Erleben. In dem Ber\u00fchrtwerden von Traumata betrifft es durchaus viele Menschen, z.B. im Entwicklungsdienst T\u00e4tige, Journalisten, Dolmetscher in der Opferarbeit, Kriseninterventionsteams, Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste, Pfarrer, \u00c4rzte, Sozialarbeiter, Therapeuten &#8230; Sekund\u00e4re Traumatisierung stellt also ein Berufsrisiko dar.<\/p>\n<p>Unsere normalen Schutzmechanismen k\u00f6nnen eine Menge abfedern. Und es lohnt, das seelische Immunsystem des Selbst zu st\u00e4rken. L\u00f6sen sich Belastungssituationen nach schrecklichen Erlebnissen oder Berichten in den ersten ein bis drei Monaten wieder auf, dann hat das Immunsystem funktioniert. Traumaspezifische Schulungen und Supervision k\u00f6nnen in diesem Stadium ebenfalls helfen, Erlebtes zu verarbeiten und durch eine kl\u00e4rende Aussensicht eine gesunde Distanz zu schaffen. Markige Spr\u00fcche aus dem Kollegenkreis, u.a. &#8222;Das musst Du Abk\u00f6nnen!&#8220;, &#8222;Unsere Arbeit ist nichts f\u00fcr Feiglinge!&#8220;, verweisen auf einen Schutzmechanismus: den Hinweis auf die eigene Psychohygiene, aber auch, wenn es zynisch oder gnadenlos daher kommt, auf ein Abspaltung der Emotionalit\u00e4t. Was letztlich auch wieder aufmerksam machen sollte, weil die Gef\u00fchlsabspaltung ein Symptom f\u00fcr einen Verarbeitungsversuch einer sekund\u00e4ren Traumatisierung oder einer fr\u00fcheren Traumatisierung sein kann. Diese kann sich aber auch in anderen Symptomen wie Substanzmittelm\u00ed\u00dfbrauch, Albtr\u00e4umen, Schlaflosigkeit, Spaltungstendenzen, erh\u00f6hte Wachsamkeit und Erregbarkeit,Bindungsangst, \u00dcberf\u00fcrsorglichkeit u.v.m. zeigen.Die Symptomatik bedarf eines differenzierten Blickes und keinesfalls eines Traumazugriffs in der Art einer Schnellbehandlung, vor dem auch Michaela Huber als renommierte Expertin in Psychotraumalologie warnt. Sorgfalt geht hier vor Schnelligkeit.<\/p>\n<h2>Team &#8211; Fluch oder Segen?<\/h2>\n<p>Wer das Gl\u00fcck hat, Kollegen im Team zu haben, f\u00fcr den kann das Team einen Ort und Rahmen der Bew\u00e4ltigungsm\u00f6glichkeit darstellen. Deshalb lohnt es sich, in Teamentwicklung zu investieren. Denn ein zynisches, gef\u00fchlskaltes Team ist die zus\u00e4tzliche H\u00f6lle. Ein Indikator in Teams ist f\u00fcr mich ebenfalls, wie \u00fcber Kunden\/Klienten gesprochen wird. Neben einem normalen Entlastungsmoment in der eigenen Arbeit gibt es ein gef\u00e4hrliches. Supervision kann zur Integration von belastenden Ereignissen beitragen und Perspektiven und Sinndimensionen eines Lebens- und Arbeitskonzeptes f\u00f6rdern. Das Berufsrisiko &#8222;Sekund\u00e4re Traumatisierung&#8220; wird sp\u00fcrbar gesenkt.<\/p>\n<p>Wer selbst traumatisiert wurde, der ist nat\u00fcrlich anf\u00e4lliger f\u00fcr Trauma-typische Reaktionen (Stichwort &#8222;Autobahn im Gehirn). Auch eine Berufswahl als Helfer kann eine Reaktion auf ein eigenes Trauma sein. Den folgenden Artikel im \u00c4rzteblatt lese ich kritisch, weil er m.E. Symptome einer sekund\u00e4ren Belastungsst\u00f6rung eher auf den jungen, unerfahrenen Kollegenkreis delegiert und die Theorie der sekund\u00e4ren Traumatisierung gegen die Sinnhaftigkeit von traumafokussierten Therapieformen diametral aufstellt.<\/p>\n<p>Ein Schlusspl\u00e4doyer: Pr\u00e4ventive Arbeitsschutzmechanismen wie Supervision sollten u.a. beim Berufsrisiko von sekund\u00e4rer Traumatisierung zum fachlichen Standard der Arbeitgeberf\u00fcrsorge und somit zur gesellschaftlichen Verpflichtung geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>N\u00e4heres zum Thema gerne pers\u00f6nlich mit <a href=\"https:\/\/www.johannes-stienen.de\/web\/kontakt-und-anfahrt\/\">Stimme<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Tipp-Klick:<\/strong><\/p>\n<p><strong><a title=\"\u00c4rzteblatt: Sekund\u00e4re Traumatisierung: Mythos oder Realit\u00e4t\" href=\"http:\/\/www.aerzteblatt.de\/archiv\/68022\/Sekundaere-Traumatisierung-Mythos-oder-Realitaet\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00c4rzteblatt: Sekund\u00e4re Traumatisierung &#8211; Mythos oder Realit\u00e4t?<\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong><a title=\"Sekund\u00e4re Traumatisierung  als Berufsrisiko? -Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung 2010\" href=\"http:\/\/library.fes.de\/pdf-files\/bueros\/sachsen-anhalt\/10673.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sekund\u00e4re Traumatisierung als Berufsrisiko? -Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung 2010<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Trauma und Supervision: es erfordert eine sensible Handhabung. 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